Nägel & Klammern

Nägel und Klammern für Druckluftnagler: der Systemüberblick

Alle Befestigungsmittel im Überblick: Typen, Maße, Systemgrenzen.

Stand: 27. Juli 2026Nägel & Klammern

Der Nagler ist eine Entscheidung. Die Nägel und Klammern sind hundert Entscheidungen – jedes Mal, wenn ein Karton leer ist. Und weil jedes Gerät nur genau eine Sorte frisst, ist die falsche Bestellung hier nicht ärgerlich, sondern unbrauchbar. Diese Seite ordnet das gesamte Feld.

Die Systematik in einem Bild

Alle Befestigungsmittel für Eintreibgeräte lassen sich über fünf Maße beschreiben. Wer diese fünf kennt, kann jede Verpackung lesen – unabhängig von Hersteller und Typenbezeichnung.

Bemaßte Querschnitte: links eine Klammer mit Kronenbreite, Schenkellänge und Drahtmaß, rechts ein Stauchkopfnagel mit Kopfbreite, Gesamtlänge, Schaftdurchmesser und eingezeichnetem Ringschaft
Links die Klammer, rechts der Nagel – mit den Maßen, die auf jeder Verpackung stehen.

Textalternative zur Grafik: Bei der Klammer werden Kronenbreite (Abstand der beiden Schenkel außen gemessen), Schenkellänge und Drahtmaß (Breite mal Dicke des Drahts) angegeben. Beim Nagel sind es Kopfbreite beziehungsweise Kopfform, Gesamtlänge und Schaftdurchmesser; hinzu kommt die Schaftform, im Bild ein Ringschaft.

Die fünf maßgeblichen Angaben bei Befestigungsmitteln
MaßBei der KlammerBeim NagelWofür es entscheidend ist
DickeDrahtmaß, z. B. 1,25 × 1,0 mmSchaftdurchmesser oder GaugePasst es durch den Treiberkanal? Spaltet es das Holz?
BreiteKronenbreiteKopfform und -breitePasst es ins Magazin? Wie sichtbar bleibt es?
LängeSchenkellängeGesamtlänge ab KopfunterkanteReicht die Einbindung? Steht es hinten durch?
Bindungmeist Kleber oder DrahtKunststoff, Papier oder DrahtDer Zuführmechanismus ist auf eine Art gebaut.
WinkelentfälltMagazinwinkel bei Streifen, Wickelwinkel bei CoilDie härteste Systemgrenze überhaupt.

Klammer oder Nagel – die Grundsatzfrage

Sie wird selten bewusst gestellt und entscheidet doch die halbe Materialliste. Der physikalische Unterschied ist simpel: Die Klammer hat zwei Schenkel im Holz und klemmt mit der Krone eine Fläche. Der Nagel hat einen Schaft und einen kleinen Kopf.

Zwei Felder im Vergleich: links eine Klammer, deren zwei Schenkel im Holzquerschnitt stecken und deren Krone sichtbar auf der Oberfläche bleibt; rechts ein Nagel mit einem einzelnen Schaft im Holz und nahezu unsichtbarem Kopf
Bei gleicher Drahtstärke hält die Klammer mehr – dafür bleibt die Krone sichtbar.
Entscheidungshilfe Klammer oder Nagel
SituationBesserWarum
Sichtbare OberflächeNagelDie Krone der Klammer lässt sich nicht überspachteln, ohne dass man es sieht.
Dünne Platte auf RahmenKlammerDie Krone verteilt die Kraft und verhindert das Durchziehen durch die Platte.
Scheibenwirkung (Beplankung)KlammerZwei Schenkel pro Schuss, deutlich mehr Verbindungspunkte je Meter.
Kraft in SchaftrichtungNagelDickerer Einzelquerschnitt, verfügbar bis 4 mm und mehr.
Bahnenware (Folie, Pappe)KlammerDer breite Rücken klemmt, der Nagelkopf reißt durch.
Konstruktion 50–130 mmNagelKlammern in dieser Länge gibt es, aber nur für spezielle Geräte.

Klammern: die Typen mit ihren Maßen

Die Typenbezeichnungen sind gewachsen, nicht genormt. Trotzdem haben sich einige Nummern quer über Hersteller hinweg etabliert – wer „Typ 90" sagt, meint fast überall dasselbe. Die vollständige Erklärung mit allen Familien steht unter Klammern für Drucklufttacker; hier die Übersicht:

Klammertypen mit Kronenbreite, Drahtmaß, Längenbereich und Einsatz
TypFamilieKrone DrahtmaßLängenTypischer Einsatz
Typ 53Feindraht11,3 mm0,74 × 0,52 mm4–14 mmFolie, Dämmvlies, Polsterstoff, dünne Rückwände, Bespannungen
Typ 140Flachdraht10,6 mm1,25 × 0,75 mm6–14 mmDachpappe, Unterspannbahn, Bespannungen mit Zug, Kaninchendraht
Typ 71Feindraht9,0 mm0,75 × 0,60 mm4–16 mmPolsterei, Möbelbezüge, Sitzflächen
Typ 80Feindraht12,8 mm0,95 × 0,65 mm4–25 mmSchubladenböden, Rückwände, Leisten, Kistenböden, Verpackung
Typ 90Mitteldraht5,65 mm1,25 × 1,00 mm10–50 mmRahmen, Lattung, Unterkonstruktion, Kistenbau, Verpackung, OSB
Typ 14 / 155Starkdraht10,8 mm1,30 × 1,45 (Typ 14) bzw. 1,40 × 1,60 (Typ 155) mm15–55 mmHolzrahmenbau, Beplankung, Schalung, Paletten, Verpackungskisten
Typ 180 / 246Starkdraht (lang)ca. 10–11 mmca. 1,53 × 1,60 mm40–130 (geräteabhängig) mmHolzbau, Dachschalung, Wandelemente im Rahmenbau

Nägel: die Typen mit ihren Maßen

Beim Nagel kommen zwei Angaben zusammen, die gern verwechselt werden: die Dicke – im Innenausbau meist als Gauge, in der Konstruktion in Millimetern – und die Kopfform, die darüber entscheidet, wie sichtbar die Verbindung bleibt.

Nageltypen mit Gauge, Schaftdurchmesser, Kopfform, Längen und Einsatz
NageltypGauge⌀ Schaft KopfformLängenTypischer Einsatz
Pin (Stift)23 gaca. 0,64 mmkopflos10–35 mmZierleisten, Anleimer, Furnier, provisorisches Fixieren beim Verleimen
Brad / Stauchkopfnagel18 gaca. 1,25 mmStauchkopf (leicht versetzt)15–64 mmSockelleisten, Zierleisten, Bilderrahmen, Schubladen, dünne Rückwände
Stauchkopfnagel stark16 gaca. 1,6 mmStauchkopf20–65 mmMassivere Leisten, Türzargen, Rahmen, Verkleidungen
Stauchkopfnagel Holzbau15 gaca. 1,8 mmStauchkopf, oft 34° angeschrägt25–65 mmTürzargen, tragende Rahmen im Innenausbau
Streifennagel Rundkopf/D-Kopf2,5–3,3 mmVollkopf, Rundkopf oder D-Kopf50–130 mmDachlattung, Holzrahmenbau, Schalung, Zaunbau, Terrassenunterbau
Coilnagel (Rollennagel)2,1–3,3 mmVollkopf25–130 mmPalettenbau, Verpackung, Schalung, Zaunlatten, Serienbefestigung
Ankernagel / Kammnagel4,0 mmVollkopf, sehr groß35–60 mmLochbleche, Balkenschuhe, Winkelverbinder, Sparrenpfettenanker

Ausführlich mit Kopf- und Schaftformen: Nageltypen für Druckluftnagler. Und wenn dich nur die Gauge-Umrechnung interessiert: Gauge bei Nägeln erklärt.

Die Schaftform: der am meisten unterschätzte Punkt

Zwei Nägel gleicher Länge und Dicke können sich in der Auszugsfestigkeit um ein Vielfaches unterscheiden. Der Unterschied sitzt im Schaft – und er kostet praktisch nichts extra.

Schaftformen und ihre Auszugsfestigkeit
SchaftformAuszugsfestigkeit WirkungTypischer Einsatz
GlattschaftReferenz (100 %)Zylindrischer Schaft ohne Profilierung. Einfach einzutreiben, leicht wieder zu ziehen.Schalung, Verpackung, alles was wieder auf soll.
Ringschaftdeutlich höher als GlattschaftUmlaufende Ringe im Schaft verhaken sich in den Holzfasern. Der Nagel lässt sich kaum noch ziehen.Terrassen- und Fassadenbeplankung, Dachschalung, alles was arbeitet und quietschen würde.
Schraubschafthoch, mit DrehwirkungSpiralförmig verdrehter Schaft. Der Nagel dreht sich beim Eintreiben ein.Harte oder wechselfeuchte Hölzer, Paletten, Kisten.
Kammnagel (geriffelt)sehr hochGrob gerillter, dicker Schaft für Verbinderbleche.Ausschließlich Lochbleche und Holzverbinder.

Die Faustregel: Alles, was arbeitet, bekommt Ringschaft. Holz quillt und schwindet mit der Feuchtigkeit; ein Glattschaft wandert dabei über die Jahre heraus. Das ist der Grund, warum alte Dachschalungen knarzen und warum Zaunlatten irgendwann klappern. Umgekehrt gilt: Alles, was wieder abgebaut wird – Schalung, Transportverpackung, Provisorien – bekommt bewusst Glattschaft, weil man Ringschaftnägel praktisch nicht mehr herausbekommt.

Der Magazinwinkel: wo es richtig teuer wird

Bei Streifennaglern ist der Magazinwinkel die härteste Systemgrenze. Er lässt sich nicht umbauen, nicht adaptieren und nicht überlisten. Wer einen 34°-Nagler hat, kauft für den Rest des Gerätelebens 34°-Nägel.

Vier Felder nebeneinander zeigen Nagelstreifen in 15 bis 16 Grad, 20 bis 21 Grad, 28 Grad und 33 bis 34 Grad Neigung, jeweils mit Winkelbogen, Kollationsband und Angabe der Kollationsart
Die vier Winkelklassen. Der Winkel bestimmt, in welcher Neigung die Nägel im Magazin stehen – ein Streifen aus einer anderen Klasse liegt nicht plan an.
Magazinwinkelklassen mit Kollation, Kopfform und Verbreitung
WinkelGruppeKollation KopfformWo verbreitet
15° / 16°Coildrahtgebunden, RolleVollkopf rundCoilnagler, Palettennagler, Ankernagler
20° / 21°Streifen flachKunststoffVollkopf rundZimmerei, Holzrahmenbau, Dachlattung, viele Profigeräte im deutschen Markt
28°Streifen mittelDrahtD-Kopf oder Halbkopfältere und amerikanisch geprägte Geräte, Bostitch-Systeme
33° / 34°Streifen steilPapierD-Kopf (abgeflacht)Zimmerei, Akku-Streifennagler, viele Geräte von DeWalt, Hikoki, Bostitch, Paslode

Vollständig erklärt unter Magazinwinkel beim Streifennagler, für Rollennägel unter Coilnagler und Rollennägel.

Die Länge: eine Faustregel und drei Ausnahmen

Die Regel lautet: Nagellänge ≈ 2,5 × Dicke des zu befestigenden Bauteils, mindestens aber 25 mm Einbindung in den tragenden Untergrund. Bei einer 16 mm starken Sockelleiste sind das also rund 40 mm.

Schnittdarstellung: auf einem dicken Untergrund liegt ein dünneres Bauteil der Dicke d, ein Nagel durchdringt das Bauteil und bindet mindestens die doppelte Bauteildicke in den Untergrund ein
Die Faustregel als Bild. Entscheidend ist nicht die Gesamtlänge, sondern was davon im tragenden Untergrund steckt.

Die drei Ausnahmen, bei denen sie nicht trägt: Hartholz (Faktor 2,0 statt 2,5, sonst biegt der Nagel ab), Plattenwerkstoffe (weniger Halt je Millimeter als Vollholz) und statisch relevante Verbindungen im Holzbau, wo die Ausführungsplanung gilt und keine Faustregel. Mit Rechner und Materialtabelle: Nagellänge berechnen.

Gebindegrößen: warum Handwerker Kartons kaufen

Verbrauchsmaterial für Eintreibgeräte wird in Mengen verkauft, die beim ersten Mal übertrieben wirken. Typische Gebinde, Stand Juli 2026:

  • Stauchkopfnägel 18 Gauge: 1.000 bis 5.000 Stück je Karton
  • Klammern Typ 80 oder 90: 5.000 bis 10.000 Stück
  • Streifennägel: 2.000 bis 3.000 Stück, meist in Bündeln zu je 10 Streifen
  • Coilnägel: 3.000 bis 9.000 Stück, in Rollen zu je 200 bis 300

Das klingt nach viel und ist es nicht. Eine Dachlattung auf einem mittleren Einfamilienhaus verbraucht mehrere tausend Nägel. Für Heimwerker ist trotzdem die kleinste Packung meist die richtige – Stahl rostet auch im Karton, wenn er feucht gelagert wird, und Papierkollation quillt.

Von hier aus weiter

Häufige Fragen zur Kompatibilität

Passen Nägel von einem anderen Hersteller in meinen Nagler?

Oft ja, aber nie automatisch. Entscheidend sind vier Maße: Schaftdurchmesser, Kopfform, Kollationsart und – bei Streifennaglern – der Magazinwinkel. Stimmen alle vier überein, funktionieren Fremdfabrikate in aller Regel. Weicht eines ab, klemmt es. Viele Händler führen Vergleichstabellen der Systembezeichnungen; verbindlich ist allein die Betriebsanleitung deines Geräts.

Kann ich 34°-Nägel in einem 21°-Streifennagler verwenden?

Nein. Der Magazinwinkel bestimmt, in welcher Neigung die Nägel im Magazin stehen. Ein 34°-Streifen liegt im 21°-Magazin nicht plan an und wird nicht sauber zugeführt. Der Winkel ist die härteste Systemgrenze bei Streifennaglern – er lässt sich nicht umbauen.

Was bedeutet die Gauge-Angabe bei Nägeln?

Gauge ist ein Drahtstärkemaß aus dem angelsächsischen Raum. Je höher die Zahl, desto dünner der Draht. 23 Gauge entspricht etwa 0,64 mm, 18 Gauge etwa 1,25 mm, 16 Gauge etwa 1,6 mm. Die Umrechnung ist herstellerabhängig gerundet – im Zweifel gilt die Millimeterangabe auf der Verpackung.

Woran erkenne ich, welche Klammern mein Tacker braucht?

Am zuverlässigsten am Typenschild oder am Aufkleber im Magazindeckel – dort steht meist die Typenbezeichnung und der Längenbereich. Zweitbeste Quelle ist die Betriebsanleitung. Wenn beides fehlt: eine vorhandene Klammer messen. Rückenbreite und Drahtmaß bestimmen den Typ eindeutig genug.

Passend dazu

Quelle: druckluftnagler.info · Stand 27. Juli 2026 · Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich ist die Betriebsanleitung des Geräts.