Der Nagler ist eine Entscheidung. Die Nägel und Klammern sind hundert Entscheidungen – jedes Mal, wenn ein Karton leer ist. Und weil jedes Gerät nur genau eine Sorte frisst, ist die falsche Bestellung hier nicht ärgerlich, sondern unbrauchbar. Diese Seite ordnet das gesamte Feld.
Die Systematik in einem Bild
Alle Befestigungsmittel für Eintreibgeräte lassen sich über fünf Maße beschreiben. Wer diese fünf kennt, kann jede Verpackung lesen – unabhängig von Hersteller und Typenbezeichnung.
Textalternative zur Grafik: Bei der Klammer werden Kronenbreite (Abstand der beiden Schenkel außen gemessen), Schenkellänge und Drahtmaß (Breite mal Dicke des Drahts) angegeben. Beim Nagel sind es Kopfbreite beziehungsweise Kopfform, Gesamtlänge und Schaftdurchmesser; hinzu kommt die Schaftform, im Bild ein Ringschaft.
| Maß | Bei der Klammer | Beim Nagel | Wofür es entscheidend ist |
|---|---|---|---|
| Dicke | Drahtmaß, z. B. 1,25 × 1,0 mm | Schaftdurchmesser oder Gauge | Passt es durch den Treiberkanal? Spaltet es das Holz? |
| Breite | Kronenbreite | Kopfform und -breite | Passt es ins Magazin? Wie sichtbar bleibt es? |
| Länge | Schenkellänge | Gesamtlänge ab Kopfunterkante | Reicht die Einbindung? Steht es hinten durch? |
| Bindung | meist Kleber oder Draht | Kunststoff, Papier oder Draht | Der Zuführmechanismus ist auf eine Art gebaut. |
| Winkel | entfällt | Magazinwinkel bei Streifen, Wickelwinkel bei Coil | Die härteste Systemgrenze überhaupt. |
Klammer oder Nagel – die Grundsatzfrage
Sie wird selten bewusst gestellt und entscheidet doch die halbe Materialliste. Der physikalische Unterschied ist simpel: Die Klammer hat zwei Schenkel im Holz und klemmt mit der Krone eine Fläche. Der Nagel hat einen Schaft und einen kleinen Kopf.
| Situation | Besser | Warum |
|---|---|---|
| Sichtbare Oberfläche | Nagel | Die Krone der Klammer lässt sich nicht überspachteln, ohne dass man es sieht. |
| Dünne Platte auf Rahmen | Klammer | Die Krone verteilt die Kraft und verhindert das Durchziehen durch die Platte. |
| Scheibenwirkung (Beplankung) | Klammer | Zwei Schenkel pro Schuss, deutlich mehr Verbindungspunkte je Meter. |
| Kraft in Schaftrichtung | Nagel | Dickerer Einzelquerschnitt, verfügbar bis 4 mm und mehr. |
| Bahnenware (Folie, Pappe) | Klammer | Der breite Rücken klemmt, der Nagelkopf reißt durch. |
| Konstruktion 50–130 mm | Nagel | Klammern in dieser Länge gibt es, aber nur für spezielle Geräte. |
Klammern: die Typen mit ihren Maßen
Die Typenbezeichnungen sind gewachsen, nicht genormt. Trotzdem haben sich einige Nummern quer über Hersteller hinweg etabliert – wer „Typ 90" sagt, meint fast überall dasselbe. Die vollständige Erklärung mit allen Familien steht unter Klammern für Drucklufttacker; hier die Übersicht:
| Typ | Familie | Krone | Drahtmaß | Längen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Typ 53 | Feindraht | 11,3 mm | 0,74 × 0,52 mm | 4–14 mm | Folie, Dämmvlies, Polsterstoff, dünne Rückwände, Bespannungen |
| Typ 140 | Flachdraht | 10,6 mm | 1,25 × 0,75 mm | 6–14 mm | Dachpappe, Unterspannbahn, Bespannungen mit Zug, Kaninchendraht |
| Typ 71 | Feindraht | 9,0 mm | 0,75 × 0,60 mm | 4–16 mm | Polsterei, Möbelbezüge, Sitzflächen |
| Typ 80 | Feindraht | 12,8 mm | 0,95 × 0,65 mm | 4–25 mm | Schubladenböden, Rückwände, Leisten, Kistenböden, Verpackung |
| Typ 90 | Mitteldraht | 5,65 mm | 1,25 × 1,00 mm | 10–50 mm | Rahmen, Lattung, Unterkonstruktion, Kistenbau, Verpackung, OSB |
| Typ 14 / 155 | Starkdraht | 10,8 mm | 1,30 × 1,45 (Typ 14) bzw. 1,40 × 1,60 (Typ 155) mm | 15–55 mm | Holzrahmenbau, Beplankung, Schalung, Paletten, Verpackungskisten |
| Typ 180 / 246 | Starkdraht (lang) | ca. 10–11 mm | ca. 1,53 × 1,60 mm | 40–130 (geräteabhängig) mm | Holzbau, Dachschalung, Wandelemente im Rahmenbau |
Nägel: die Typen mit ihren Maßen
Beim Nagel kommen zwei Angaben zusammen, die gern verwechselt werden: die Dicke – im Innenausbau meist als Gauge, in der Konstruktion in Millimetern – und die Kopfform, die darüber entscheidet, wie sichtbar die Verbindung bleibt.
| Nageltyp | Gauge | ⌀ Schaft | Kopfform | Längen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Pin (Stift) | 23 ga | ca. 0,64 mm | kopflos | 10–35 mm | Zierleisten, Anleimer, Furnier, provisorisches Fixieren beim Verleimen |
| Brad / Stauchkopfnagel | 18 ga | ca. 1,25 mm | Stauchkopf (leicht versetzt) | 15–64 mm | Sockelleisten, Zierleisten, Bilderrahmen, Schubladen, dünne Rückwände |
| Stauchkopfnagel stark | 16 ga | ca. 1,6 mm | Stauchkopf | 20–65 mm | Massivere Leisten, Türzargen, Rahmen, Verkleidungen |
| Stauchkopfnagel Holzbau | 15 ga | ca. 1,8 mm | Stauchkopf, oft 34° angeschrägt | 25–65 mm | Türzargen, tragende Rahmen im Innenausbau |
| Streifennagel Rundkopf/D-Kopf | — | 2,5–3,3 mm | Vollkopf, Rundkopf oder D-Kopf | 50–130 mm | Dachlattung, Holzrahmenbau, Schalung, Zaunbau, Terrassenunterbau |
| Coilnagel (Rollennagel) | — | 2,1–3,3 mm | Vollkopf | 25–130 mm | Palettenbau, Verpackung, Schalung, Zaunlatten, Serienbefestigung |
| Ankernagel / Kammnagel | — | 4,0 mm | Vollkopf, sehr groß | 35–60 mm | Lochbleche, Balkenschuhe, Winkelverbinder, Sparrenpfettenanker |
Ausführlich mit Kopf- und Schaftformen: Nageltypen für Druckluftnagler. Und wenn dich nur die Gauge-Umrechnung interessiert: Gauge bei Nägeln erklärt.
Die Schaftform: der am meisten unterschätzte Punkt
Zwei Nägel gleicher Länge und Dicke können sich in der Auszugsfestigkeit um ein Vielfaches unterscheiden. Der Unterschied sitzt im Schaft – und er kostet praktisch nichts extra.
| Schaftform | Auszugsfestigkeit | Wirkung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Glattschaft | Referenz (100 %) | Zylindrischer Schaft ohne Profilierung. Einfach einzutreiben, leicht wieder zu ziehen. | Schalung, Verpackung, alles was wieder auf soll. |
| Ringschaft | deutlich höher als Glattschaft | Umlaufende Ringe im Schaft verhaken sich in den Holzfasern. Der Nagel lässt sich kaum noch ziehen. | Terrassen- und Fassadenbeplankung, Dachschalung, alles was arbeitet und quietschen würde. |
| Schraubschaft | hoch, mit Drehwirkung | Spiralförmig verdrehter Schaft. Der Nagel dreht sich beim Eintreiben ein. | Harte oder wechselfeuchte Hölzer, Paletten, Kisten. |
| Kammnagel (geriffelt) | sehr hoch | Grob gerillter, dicker Schaft für Verbinderbleche. | Ausschließlich Lochbleche und Holzverbinder. |
Die Faustregel: Alles, was arbeitet, bekommt Ringschaft. Holz quillt und schwindet mit der Feuchtigkeit; ein Glattschaft wandert dabei über die Jahre heraus. Das ist der Grund, warum alte Dachschalungen knarzen und warum Zaunlatten irgendwann klappern. Umgekehrt gilt: Alles, was wieder abgebaut wird – Schalung, Transportverpackung, Provisorien – bekommt bewusst Glattschaft, weil man Ringschaftnägel praktisch nicht mehr herausbekommt.
Der Magazinwinkel: wo es richtig teuer wird
Bei Streifennaglern ist der Magazinwinkel die härteste Systemgrenze. Er lässt sich nicht umbauen, nicht adaptieren und nicht überlisten. Wer einen 34°-Nagler hat, kauft für den Rest des Gerätelebens 34°-Nägel.
| Winkel | Gruppe | Kollation | Kopfform | Wo verbreitet |
|---|---|---|---|---|
| 15° / 16° | Coil | drahtgebunden, Rolle | Vollkopf rund | Coilnagler, Palettennagler, Ankernagler |
| 20° / 21° | Streifen flach | Kunststoff | Vollkopf rund | Zimmerei, Holzrahmenbau, Dachlattung, viele Profigeräte im deutschen Markt |
| 28° | Streifen mittel | Draht | D-Kopf oder Halbkopf | ältere und amerikanisch geprägte Geräte, Bostitch-Systeme |
| 33° / 34° | Streifen steil | Papier | D-Kopf (abgeflacht) | Zimmerei, Akku-Streifennagler, viele Geräte von DeWalt, Hikoki, Bostitch, Paslode |
Vollständig erklärt unter Magazinwinkel beim Streifennagler, für Rollennägel unter Coilnagler und Rollennägel.
Die Länge: eine Faustregel und drei Ausnahmen
Die Regel lautet: Nagellänge ≈ 2,5 × Dicke des zu befestigenden Bauteils, mindestens aber 25 mm Einbindung in den tragenden Untergrund. Bei einer 16 mm starken Sockelleiste sind das also rund 40 mm.
Die drei Ausnahmen, bei denen sie nicht trägt: Hartholz (Faktor 2,0 statt 2,5, sonst biegt der Nagel ab), Plattenwerkstoffe (weniger Halt je Millimeter als Vollholz) und statisch relevante Verbindungen im Holzbau, wo die Ausführungsplanung gilt und keine Faustregel. Mit Rechner und Materialtabelle: Nagellänge berechnen.
Gebindegrößen: warum Handwerker Kartons kaufen
Verbrauchsmaterial für Eintreibgeräte wird in Mengen verkauft, die beim ersten Mal übertrieben wirken. Typische Gebinde, Stand Juli 2026:
- Stauchkopfnägel 18 Gauge: 1.000 bis 5.000 Stück je Karton
- Klammern Typ 80 oder 90: 5.000 bis 10.000 Stück
- Streifennägel: 2.000 bis 3.000 Stück, meist in Bündeln zu je 10 Streifen
- Coilnägel: 3.000 bis 9.000 Stück, in Rollen zu je 200 bis 300
Das klingt nach viel und ist es nicht. Eine Dachlattung auf einem mittleren Einfamilienhaus verbraucht mehrere tausend Nägel. Für Heimwerker ist trotzdem die kleinste Packung meist die richtige – Stahl rostet auch im Karton, wenn er feucht gelagert wird, und Papierkollation quillt.
Von hier aus weiter
Häufige Fragen zur Kompatibilität
Passen Nägel von einem anderen Hersteller in meinen Nagler?
Oft ja, aber nie automatisch. Entscheidend sind vier Maße: Schaftdurchmesser, Kopfform, Kollationsart und – bei Streifennaglern – der Magazinwinkel. Stimmen alle vier überein, funktionieren Fremdfabrikate in aller Regel. Weicht eines ab, klemmt es. Viele Händler führen Vergleichstabellen der Systembezeichnungen; verbindlich ist allein die Betriebsanleitung deines Geräts.
Kann ich 34°-Nägel in einem 21°-Streifennagler verwenden?
Nein. Der Magazinwinkel bestimmt, in welcher Neigung die Nägel im Magazin stehen. Ein 34°-Streifen liegt im 21°-Magazin nicht plan an und wird nicht sauber zugeführt. Der Winkel ist die härteste Systemgrenze bei Streifennaglern – er lässt sich nicht umbauen.
Was bedeutet die Gauge-Angabe bei Nägeln?
Gauge ist ein Drahtstärkemaß aus dem angelsächsischen Raum. Je höher die Zahl, desto dünner der Draht. 23 Gauge entspricht etwa 0,64 mm, 18 Gauge etwa 1,25 mm, 16 Gauge etwa 1,6 mm. Die Umrechnung ist herstellerabhängig gerundet – im Zweifel gilt die Millimeterangabe auf der Verpackung.
Woran erkenne ich, welche Klammern mein Tacker braucht?
Am zuverlässigsten am Typenschild oder am Aufkleber im Magazindeckel – dort steht meist die Typenbezeichnung und der Längenbereich. Zweitbeste Quelle ist die Betriebsanleitung. Wenn beides fehlt: eine vorhandene Klammer messen. Rückenbreite und Drahtmaß bestimmen den Typ eindeutig genug.
Passend dazu
Quelle: druckluftnagler.info · Stand 27. Juli 2026 · Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich ist die Betriebsanleitung des Geräts.