Klammern für Drucklufttacker: Typen, Kronenbreite, Drahtmaß
Typ 53, 71, 80, 90, 140, 14/155 – mit allen Maßen.
Stand: 27. Juli 2026Nägel & Klammern
„Welche Klammern passen in meinen Tacker?" ist die meistgestellte Frage in dieser
Nische – und die am schlechtesten beantwortete. Der Grund: Klammertypen sind historisch gewachsen,
nicht genormt. Wer die Systematik dahinter einmal verstanden hat, liest jede Verpackung richtig.
Drei Maße, mehr braucht es nicht
Jede Klammer ist über drei Angaben eindeutig beschrieben. Alles andere – Typennummer,
Herstellerbuchstabe, Serienbezeichnung – ist nur eine Abkürzung für diese drei:
Kronenbreite, Drahtmaß und Schenkellänge – daraus ergibt sich der Typ.
Kronenbreite (Rückenbreite). Der Abstand der beiden Schenkel, außen gemessen.
Sie bestimmt, ob die Klammer überhaupt ins Magazin passt – und wie sichtbar sie später ist.
Drahtmaß. Zwei Zahlen, zum Beispiel 1,25 × 1,0 mm: Breite mal Dicke
des Drahts. Klammerdraht ist rechteckig, nicht rund. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen
„hält" und „trägt".
Schenkellänge. Was landläufig als „Länge" auf der Packung steht. Gemessen ab
Unterkante Rücken, nicht Gesamthöhe.
Die drei Familien
Vor der Typennummer kommt die Familie. Sie sagt, wofür die Klammer überhaupt gebaut ist:
Die drei Klammerfamilien und ihre Aufgaben
Familie
Drahtmaß etwa
Aufgabe
Typische Typen
Feindraht
0,5 bis 1,0 mm
Hält, trägt aber nicht. Fixiert Flächen, Bahnen, Stoffe.
Typ 53, 71, 80, 140
Mitteldraht
ca. 1,25 × 1,0 mm
Hält und trägt leichte Lasten. Der Bau-Allrounder.
Typ 90
Starkdraht
ab ca. 1,3 × 1,45 mm
Tragende Verbindung, Kraftübertragung im Holzbau.
Typ 14, 155, 180, 246
Ein Feindrahttacker kann keine Starkdrahtklammer verarbeiten – und umgekehrt hält eine
Starkdrahtklammer eine Dämmfolie nicht besser, sie reißt sie durch. Die Familie ist die erste
Weichenstellung, die Typennummer die zweite.
Die Typen mit ihren Maßen
Tabelle seitlich scrollbar →
Klammertypen mit Kronenbreite, Drahtmaß, Längenbereich und Einsatz
Kronenbreite: schmal oder breit – und warum das nichts mit Qualität zu tun hat
Die zwei häufigsten Bauklammertypen zeigen den Gegensatz gut. Typ 80 hat eine
Kronenbreite von rund 12,8 mm bei feinem Draht. Typ 90 hat nur 5,65 mm Krone, dafür deutlich
stärkeren Draht. Beide sind ausgereifte Systeme – sie lösen nur unterschiedliche Aufgaben:
Breite Krone verteilt die Kraft auf eine größere Fläche. Sie verhindert, dass
eine dünne Platte oder eine Folie am Befestigungspunkt durchgezogen wird. Deshalb sitzt Typ 80
unter Schubladenböden und Möbelrückwänden, Typ 140 auf Dachpappe.
Schmale Krone zieht sich in das Holz ein und verschwindet fast. Sie überträgt
Kraft über den Draht, nicht über die Fläche. Deshalb sitzt Typ 90 an Rahmen und Lattung, wo die
Klammer nachher nicht stören soll.
Rückenform: flach, gewölbt, divergierend
Ein Detail, das nur bei Spezialanwendungen auftaucht, dann aber wichtig ist:
Flachrücken – der Standard. Der Rücken liegt plan auf.
Gewölbter Rücken (Kabelklammer) – halbrund ausgeformt, damit ein Kabel darunter
nicht gequetscht wird. Für Elektroinstallation. Nie für Flächen verwenden, der Rücken steht ab.
Divergierende Schenkel – die Spitzen sind so angeschliffen, dass die Schenkel
im Holz auseinanderlaufen. Erhöht die Auszugsfestigkeit deutlich, ohne den Draht zu verstärken.
Bei Bauklammern verbreitet, wird aber selten beworben.
Woran du erkennst, welchen Typ dein Gerät braucht
Aufkleber im Magazindeckel. Bei fast allen Profigeräten steht dort die
Typenbezeichnung und der Längenbereich. Erster Blick.
Typenschild am Gehäuse. Zweiter Blick, oft mit Modellnummer, die dir die
Suche nach der Betriebsanleitung erleichtert.
Betriebsanleitung. Die verbindliche Quelle. Bei den meisten Herstellern als
PDF auf der Produktseite.
Eine vorhandene Klammer messen. Messschieber an die Krone (außen) und an den
Draht. Mit diesen zwei Zahlen findest du den Typ in der Tabelle oben.
Modellnummer entschlüsseln. Viele Hersteller bauen den Typ und den maximalen
Längenbereich in die Modellbezeichnung ein – ein Gerät mit „90/40" im Namen verarbeitet in aller
Regel Klammern vom Typ 90 bis 40 mm Länge. Das ist ein guter Hinweis, aber kein Beweis.
Material und Oberfläche
Materialausführungen von Klammern
Ausführung
Einsatz
Anmerkung
Stahl verzinkt
innen, trocken
Der Standard. Für 95 % aller Anwendungen richtig.
Stahl feuerverzinkt
außen, feucht
Dickere Zinkschicht, deutlich länger beständig.
Stahl harzbeschichtet
tragende Verbindungen
Der Harz schmilzt durch die Reibung beim Eintreiben und verklebt die Klammer im Holz.
Edelstahl A2
Eiche, Lärche, Douglasie, Außenbereich
Pflicht bei gerbsäurehaltigen Hölzern, sonst schwarze Ränder.
Edelstahl A4
Küste, Schwimmbad, Stall
Chlorid- und ammoniakbeständig.
Aluminium
Verpackung, Kennzeichnung
Leicht, weich, nicht tragend.
Harzbeschichtete Klammern sind der unterschätzte Trick im Holzrahmenbau: Die Beschichtung
erleichtert das Eindringen und verklebt danach im Holz. Das ist kein Marketing, sondern messbar –
und der Aufpreis ist gering.
Bei Sperrholz unter 8 mm: Typ 80, sonst spaltet es.
Häufige Fragen
Passen Nägel von einem anderen Hersteller in meinen Nagler?
Oft ja, aber nie automatisch. Entscheidend sind vier Maße: Schaftdurchmesser, Kopfform, Kollationsart und – bei Streifennaglern – der Magazinwinkel. Stimmen alle vier überein, funktionieren Fremdfabrikate in aller Regel. Weicht eines ab, klemmt es. Viele Händler führen Vergleichstabellen der Systembezeichnungen; verbindlich ist allein die Betriebsanleitung deines Geräts.
Kann ich 34°-Nägel in einem 21°-Streifennagler verwenden?
Nein. Der Magazinwinkel bestimmt, in welcher Neigung die Nägel im Magazin stehen. Ein 34°-Streifen liegt im 21°-Magazin nicht plan an und wird nicht sauber zugeführt. Der Winkel ist die härteste Systemgrenze bei Streifennaglern – er lässt sich nicht umbauen.
Was bedeutet die Gauge-Angabe bei Nägeln?
Gauge ist ein Drahtstärkemaß aus dem angelsächsischen Raum. Je höher die Zahl, desto dünner der Draht. 23 Gauge entspricht etwa 0,64 mm, 18 Gauge etwa 1,25 mm, 16 Gauge etwa 1,6 mm. Die Umrechnung ist herstellerabhängig gerundet – im Zweifel gilt die Millimeterangabe auf der Verpackung.
Woran erkenne ich, welche Klammern mein Tacker braucht?
Am zuverlässigsten am Typenschild oder am Aufkleber im Magazindeckel – dort steht meist die Typenbezeichnung und der Längenbereich. Zweitbeste Quelle ist die Betriebsanleitung. Wenn beides fehlt: eine vorhandene Klammer messen. Rückenbreite und Drahtmaß bestimmen den Typ eindeutig genug.